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Würmtaler Nachrichten

Treffpunkt für Menschen und Künste

Sie setzen auf ihre Historie, auf ihre kulturellen Leuchttürme, auf Symbolkraft, Nachbarn und auf das Engagement der eigenen Bürger. Zehn deutsche Städte wollen im Jahr 2010 Kulturhauptstadt Europas werden. Lübeck, als nördlichster Bewerber, präsentiert sich dabei als «Tor zur Ostsee». Essen versteht sich als Vertreter des Ruhrgebiets. Görlitz betont die Nähe zu Polen und bewirbt sich gemeinsam mit der Partnerstadt Zgorzelec. Und auch Regensburg setzt auf traditionelle Osteuropa-Kompetenz sowie die Nähe zu Ungarn, das 2010 ebenfalls eine Kulturhauptstadt stellen wird.

Die «documenta»-Stadt Kassel, die bereits im Mai überall Fahnen mit dem Slogan «Kassel Gewinnt» hisste, sieht ihre Bewerbung als «einen stadtgesellschaftlichen Aufbruch». Der Weg zur Kulturhauptstadt soll ein «kultureller Stadtentwicklungsprozess» werden, heißt es auf der Bewerbungshomepage (www.kassel2010.de) der ehemaligen landgräflichen Residenz.

Auch die Bewerbung der Ruhrpott-Metropole Essen ist vorwärtsgewandt. Der Strukturwandel im Ruhrgebiet habe Signalwirkung für ganz Europa. So sollen etwa Industriebrachen zu Orten der Begegnung werden. Das «weltoffene», «vernetzte» Ruhrgebiet soll als «Modell für Europa» erkannt werden.

Eine ähnlich Stoßrichtung verfolgt Halle im Rennen um den Titel. Die sachsen-anhaltinische Saale-Stadt versteht sich laut MDR als «Modellstadt des Wandels in Europa». Veränderung ist das Thema ihrer Bewerbung. Im Mittelpunkt steht nicht die Präsentation bedeutender Kulturgüter, sondern das Werben um Verständnis dafür, «dass nur die Erhaltung eines gesicherten und zukunftsfähigen sozialen Umfelds der eigentliche Gradmesser für Kultur sein kann».

Einen großen Auftritt in Berlin gestatten sich Karlsruhe und Bremen anlässlich ihrer Bewerbungen. Der Fächer-Grundriss der Stadt Karlsruhe wird am Sonntag per Laser an den Himmel über Berlin projiziert. Neben dem grünen Laser-Fächer über der Landesvertretung Baden-Württemberg soll eine Audioperformance die Inhalte der Bewerbung unter dem Motto «Mit Recht. Karlsruhe» vermitteln. Die Stadt will sich dabei als Sitz des Bundesverfassungsgerichts, des Bundesgerichtshofs und der Bundesanwaltschaft als «Residenz des Rechts» präsentieren.

Bremen hingegen gibt sich hanseatisch. Mit der «Roland von Bremen», einem Nachbau der weltweit einzig erhaltenen Hansekogge, sind die Bremer in zehntägiger Fahrt über Wasserstraßen in die Hauptstadt gekommen und haben nahe dem Berliner Dom Anker geworfen. An Bord der Kogge: das zweibändige Bewerbungsschreiben.

Auf dem Törn nach Berlin war die «Roland von Bremen» am vergangenen Donnerstag auf dem Mittellandkanal in einem «Piratenakt» vom deutschen Kulturhauptstadt-Mitbewerber Braunschweig «geentert» worden. Stadt und Region Braunschweig haben ihre Bewerbungsbroschüre unter das Motto «Zeitlandschaften» gestellt. Leuchttürme der Bewerbung sollen der Bau des Wissenschaftszentrum «Phaeno» in Wolfsburg und die Rekonstruktion des Braunschweiger Schlosses sein.

Auf Tradition setzt Potsdam. Die rund 120 Seiten starke Bewerbung Potsdams heißt »Stell Dir vor.... Potsdam weckt Visionen«. Im Mittelpunkt stehen die brandenburgische Landschaft, die Architektur der Landeshauptstadt mit Schloss Sanssouci und die Filmtradition in Potsdam-Babelsberg.

Als Vorläufer eines »Europas der Regionen« bewirbt sich die Hansestadt Lübeck. »In Deutschland ganz weit oben, in Europa mittendrin!« lautet der Slogan der Geburtsstadt von Thomas Mann. Lübecks Kultur bestehe »immer aus der Kultur der anderen«, heißt es in der Bewerbung (www.kulturhauptstadt-luebeck.de). Daher bewerbe sich die Stadt mit einem Profil, in dem Lübeck Treffpunkt sein soll für alle Menschen, ihre Werte und Künste.

Welcher der deutschen Kandidaten 2010 das Rennen macht, wird sich nicht vor 2006 entscheiden. Bis dahin können die Zehn von der Hoffnung auf den Titel sicher nur profitieren. Kultur- und Europafans können sich in den kommenden Jahren noch in Genua/Lille (Italien/Frankreich, 2004), Cork (Irland, 2005), Patras (Griechenland, 2006), Luxemburg (2007), Großbritannien (2008), Österreich und Litauen (2009) Hauptstädte der Kultur anschauen. Die deutschen Bewerberstädte für 2010 werden ab 12. Juli im 3sat-Magazin »Kulturzeit« vorgestellt und dort einem »Kultur-TÜV"unterzogen. (www.kultur2010.de)

   

  
       

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