Vorherige Seite - Previous Page

Erste Seite - First Page



     
   
   
     

Internet Content Rating Association

     

Würmtaler Nachrichten

Schröder gegen generelle Arbeitszeitverlängerung

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) lehnt die von weiten Teilen der deutschen Wirtschaft geforderte flächendeckende Verlängerung der Wochenarbeitszeit ab. «Entscheidend ist eine Flexibilisierung der Arbeitszeit», sagte Schröder am Wochenende. Ähnlich äußerte sich Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser. Nach dem Siemens-Konzern bereiten jetzt offenbar auch Unternehmen aus der Automobilbranche die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche vor. Unterdessen wurden Forderungen aus der Wirtschaft laut, die Zahl der Urlaubstage drastisch zu reduzieren.

«Ich halte es für falsch, sich generell über 35 Stunden oder 42 Stunden zu streiten», sagte Schröder dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Dies werde den unterschiedlichen Situationen in den Betrieben nicht gerecht. Für eine Flexibilisierung der Arbeitszeit biete das Tarifrecht «vielfältige Möglichkeiten». Es zeige sich, dass diese mit Zustimmung der Gewerkschaften auch genutzt würden.

Unterstützung erhält Schröder von Gesamtmetall-Chef Kannegiesser. In der in Chemnitz erscheinenden «Freien Presse» (Samstagausgabe) plädierte er für unterschiedliche Regelungen, die sich nach den Bedürfnissen der Unternehmen richten sollen. Längere Arbeitszeit bedeute nicht eine pauschale Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche, «weil kein Betrieb wie der andere ist».

Auch der Vorstandschef des Automobilkonzerns DaimlerChrysler, Jürgen Schrempp, spricht sich für mehr Flexibilität der Arbeitnehmer aus. «Wenn wir in Deutschland Jobs halten und neue schaffen wollen, kommen wir nicht daran vorbei, die Kosten zu senken», sagte Schrempp der «Bild»-Zeitung (Samstagausgabe). «Wir brauchen insgesamt mehr Flexibilität», forderte der Chef des mit 183 000 Beschäftigten größten deutschen Industrie-Arbeitgebers.

Nach einer Umfrage der Branchenzeitung «Automobilwoche» planen bereits drei große Zuliefererunternehmen die Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich. Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie, Bernd Gottschalk, rechnet damit, dass die Regelarbeitszeit auf breiter Front steigt. Die Arbeitskosten könnten nur mit längeren Arbeitszeiten spürbar gesenkt werden, sagte Gottschalk der Zeitschrift.

Unterdessen wächst in der IG Metall die Kritik am Tarifvertrag mit Siemens. Die Vereinbarung schaffe ein «gefährliches Präjudiz», sagte Ex-IG-Metall-Chef Franz Steinkühler dem «Spiegel». Er befürchte, «dass viele Betriebsräte nun von ähnlichen Ansinnen ihrer Firmenleitungen regelrecht überrollt werden».

Der Chef des baden-württembergischen IG-Metall-Bezirks, Jörg Hofmann, sagte dem Magazin, einer Arbeitszeitverlängerung werde die Gewerkschaft künftig nur noch zustimmen, «wenn alle anderen Möglichkeiten zur Beschäftigungssicherung ausgeschöpft sind». Die IG Metall hatte der Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche in zwei Siemens-Werken zugestimmt, nachdem die Konzernleitung mit einer Standortverlagerung nach Osteuropa gedroht hatte.

In der Arbeitszeit-Debatte werden jetzt auch Forderungen erhoben, die Zahl der Urlaubstage deutlich zu kürzen. «Eine Woche weniger Urlaub bringt keinen um, schafft aber neue Jobs», sagte der Präsident des Handelsverbands BGA, Anton Börner, der «Bild»-Zeitung.

   
  
       

Index     Seitenanfang     Vorherige Seite     Nächste Seite
© Copyright 2004 The Munich Times - net-publications gmbh - All rights reserved