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Würmtaler Nachrichten

Das Geld war schon immer knapp

Das Würzburger Mainfranken Theater wird gern als bayerisches Paradebeispiel für das Ausbluten der Kultur in Zeiten leerer kommunaler Kassen angeführt. Doch von dieser Dauerrolle will sich das Drei-Sparten-Haus baldigst verabschieden. Zum 200. Geburtstag soll ein neuer Intendant innovative Wege finden, um das Haus aus den Negativschlagzeilen zu führen. Hermann Schneider soll es richten. Er wird rechtzeitig zur Jubiläumsspielzeit 2004/2005 im September sein Amt antreten. Für viele Würzburger Theaterbesucher und nicht zuletzt für die Mitarbeiter ist er die letzte Hoffnung.

Anneliese Dosch ist seit 1965 am Würzburger Theater. Heute leitet die dienstälteste Mitarbeiterin die Damenschneiderei. «Tolle Stücke - und dass es weiter geht», bringt sie ihre Erwartungen auf den Punkt. Über den Theaterring der Berufsschule war die 59-Jährige in Kontakt mit dem Theater gekommen. «Damals war Schneider am Theater unterste Kategorie und nicht gefragt», erinnert sie sich an die Anfänge.

Die erste Zeit arbeitete sie noch im alten Haus: Nach dem Krieg hatte man aus der Turnhalle des Lehrerseminars das «Theater am Wittelsbacher Platz» gemacht. Erst 1966 bezog das Stadttheater den Neubau auf dem einstigen Bahnhofsgelände. Mit großen Namen feierte das Haus im vergangenen Jahrhundert Erfolge. Regisseur Max Reinhardt choreographierte 1926 «Die grüne Flöte - Ballettpantomime von Hofmannsthal», Charaktermime Gustaf Gründgens gastierte 1948 mit Goethes «Iphigenie», Star-Sopranistin Waltraud Meier sang am Anfang ihrer Karriere 1976/77 unter anderem in «Carmen», Schauspieler Helmut Fischer erklomm 1952/53 in Friedrich Hebbels «Agnes Bernauer» die Bühne und Heiner Lauterbach 1977/78 in Heinrich Bölls «Die verlorene Ehre der Katharina Blum».

Als erste Produktion des Theaters vor 200 Jahren stand das englische Lustspiel «Stille Wasser sind tief» auf dem Programm. Zwar boten schon lange vorher Hoftheater für höfische Kreise Aufführungen und später fliegende Schauspieltruppen fürs normale Volk - mit dem Stadttheater öffnete am 4. August 1804 aber zum ersten Mal ein Theater seine Pforten, in dem die verschiedenen Stände aufeinander trafen. Reichsgraf Julius von Soden hatte das Haus gegründet, so wie zwei Jahre zuvor auch das Bamberger Theater. Schon wenige Jahre später wurde zum ersten Mal das Geld knapp, drohte unter Erzherzog Ferdinand das finanzielle Aus.

In eine existenzielle Krise geriet das Theater zuletzt 2001, erholt hat es sich nur langsam und durch große Einsparungen. Abgewendet ist die Krise aber noch lange nicht. Schneiderin Dosch sorgt das wie viele ihrer Kollegen. «Die letzten drei Jahre waren schlimm», erinnert sie sich. Die Mitarbeiter blicken in eine ungewisse Zukunft, «bangen bei jeder Vorstellung, die nicht gut besucht ist». Und das sind beileibe nicht wenige, denn das Haus hat eine Auslastung von 80 Prozent.

Mit eisernem Sparwillen sucht man den Weg aus der Misere. In der kommenden Spielzeit gibt das Theater mit seinem 15-Millionen-Etat - getragen jeweils rund zu einem Drittel von der Stadt, dem Freistaat Bayern und Einnahmen - eine Million Euro weniger aus. Erreicht wurde dies durch 25 Entlassungen «quer durch alle Abteilungen», erklärt der kaufmännische Leiter Klaus Heuberger. Damit seien aber die Einsparpotenziale erschöpft, man sei schon jetzt «an die Grenzen gegangen». Nun könne man nur noch das Programm «runterfahren».

Was das bedeutet, werden die Zuschauer im Jubiläumsjahr erfahren. Im 200. Jahr werden fünf Produktionen weniger als bisher gezeigt. Auf dem Programm stehen im Schauspiel und Musiktheater unter anderem Klassiker wie «Wilhelm Tell», «Die Entführung aus dem Serail», «Jesus Christ Superstar» und «Macbeth» im Großen Haus, dazu kommen Aufführungen der Kammerspiele und des Kinder- und Jugendtheaters. Mit der von Intendant Schneider inszenierten Verdi-Oper «Rigoletto» startet am 25. September das Mainfranken Theater dann in die Jubiläumsspielzeit - und vielleicht in die Zukunft.

   

  
       

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